Wie lässt sich eine Amalgamvergiftung nachweisen

Wie läßt sich eine Amalgamvergiftung nachweisen?

Es ist gar nicht leicht, einer Amalgamvergiftung mit den heute üblichen Methoden der Meßtechnik auf die Spur zu kommen. Am leichtesten gelingt der Nachweis bei akuten Vergiftungen. Je langfristiger und chronischer eine Vergiftung ist, desto schwieriger ist sie meßtechnisch erfaßbar. Bei Menschen, die vor vielen Jahren einmal eine Amalgamvergiftung gehabt hatten (eventuell sogar jahrzehntelang) kann diese Vergiftung Schäden im Körper hinterlassen haben, die jetzt noch immer weiterwirken. Die Vergiftung selbst, als Verursacherin, ist jedoch kaum noch nachweisbar, außer mit einer Kernspintomogramm-Untersuchung des Gehirns oder Messungen mit Elektroakupunkturgeräten. Bei post mortem-Untersuchungen wurden auch bei Menschen, welche seit 20 Jahren kein Amalgam mehr im Munde hatten sondern Prothesenträger waren, in der Hypophyse noch immer erhöhte Quecksilberwerte festgestellt. Auch in der Leber oder anderen Organen konnten z.T. noch Amalgamdepots gemessen werden. Beim lebenden Menschen sind solche Gewebeentnahmen als Nachweis kaum durchführbar, weil die Gefahr, daß die Organe dadurch geschädigt werden, zu groß ist. Und wer will sich schon gerne zu Lebzeiten im Gehirn herumoperieren lassen? Auch ist die quantitativ nachweisbare Quecksilber-, Zinn- oder Kupfermenge in einem Gewebe kein direktes Maß für den Grad der Schädigung des Organs: kleine Mengen über einen langen Zeitraum hinweg können mehr schädigen als hohe Mengen in kurzer Zeit.

Eine weitere Schwierigkeit beim Nachweis einer chronischen Amalgamvergiftung bereitet die leichte Flüchtigkeit von Quecksilber. Es verdampft schon bei Zimmertemperatur und noch erheblich schneller bei den ca. 36.6 °C, welche Blut-, Urin- oder Stuhlproben haben. Normale Blut- und Urintests, ohne eine vorherige besondere Ausleitungsmaßnahme (Mobilisation), sind ziemlich aussagelos, da die Gifte bei chronischen Vergiftungen im Körper gebunden sind und nicht mehr im Blutkreislauf zirkulieren.

Bekommt man eine Amalgamplombe gewechselt, neu gesetzt oder ausgebohrt, so ließen sich erhöhte Quecksilberwerte im Urin während der nächsten ca. 2 Monate messen. Bei 2-3 Plomben, waren die Werte im Urin schon ca. 6 Monate lang erhöht. Abgesehen von diesen akuten Folgen eines Zahnarztbesuchs ist die latente Aufnahme von Zahnamalgam aus den Plomben im Körper zu verkraften. Die langsame Ausscheidung ist über einen längeren Zeitraum recht konstant, kann aber von Tag zu Tag variieren. Normalerweise wird ca. 70% über den Stuhl und 30% über den Urin ausgeschieden, aber auch dieses Verhältnis kann bei einem Menschen sehr variieren. Die Höhe der Ausscheidung ist kein Maß für eine eventuell vorliegende chronische Vergiftung. Daher sind alle Testmethoden, die messen, was aus dem Körper herauskommt, unpräzise. Methoden, bei denen erfaßt werden kann, was an Giften im Körper drinne ist, sind exakter. So komplex chronische Amalgamvergiftungen sind, so schwierig ist leider auch der Nachweis. Aber nun zu den einzelnen Testmethoden:

Amalgamallergien
Sie sind bisher durch 2 Testverfahren nachweisbar: Zum einen durch einen Hauttest, bei dem Pflaster mit Proben verschiedener Amalgame und auch anderer Zahnfüllmaterialien auf die Haut geklebt und dann im Verlauf mehrerer Tage die Hautreaktionen beobachtet werden. Bilden sich Rötungen, Pusteln o.a. Hautreaktionen, so liegt eine Allergie vor. Diese Hauttests haben aber leider eine Versagerquote von ca. 80-90%, d.h., daß sie meistens keinen Hinweis darauf geben, ob eine Allergie vorliegt. Sie sind damit als Nachweis zu unzuverlässig. Zum anderen läßt sich eine Allergie mit der Elektroakupunktur (EAV im folgenden abgekürzt) mit spez. Meßgeräten messen. Dabei werden Elektroden an definierten Punkten des Körpers aufgesetzt und festgehalten. Vorausgesetzt, daß von den Ärzten oder Zahnärzten die EAV-Testung akkurat durchgeführt wird, ist sie erheblich zuverlässiger als die Hauttests. Von den Krankenkassen wird diese Methode aber leider als Nachweis noch nicht anerkannt, die verlassen sich mehr auf die ungenaueren Hauttests.

Methoden zum Nachweis von Amalgamvergiftungen

  1. Der Elektroakupunkturtest (EAV-Test)
    Bei diesem Test wird nicht, wie bei vielen anderen Tests, gemessen, was an Quecksilber aus dem Körper herauskommt, sondern entlang von Meridianen (Energieleitbahnen im Körper) wird gemessen, was an Quecksilberamalgam im Körper drin ist. Mit Hilfe eines EAV-Testgeräts und zwei Elektroden, die an exponierten Körperstellen angebracht werden (wie beim vorher beschriebenen Allergietest) ist nicht nur in etwa der Grad der Vergiftung nachweisbar, sondern auch welche Organe durch die Vergiftung geschädigt wurden und akut oder chronisch-degenerativ entzündet sind. Wiederum vorausgesetzt, daß der Test korrekt durchgeführt wird, so scheint er bisher der einfachste und auch zuverlässigste Test zu sein, zumindest solange vorher noch mit keiner Entgiftungsmaßnahme begonnen worden ist. Ist bei Vergifteten bereits mit der Ausleitung begonnen worden, so sollte der EAV-Test häufiger wiederholt werden, weil sich dann unter Umständen die Gifte (nur noch in höheren Verdünnungen) über die Meridiane nachweisen lassen. Unter Beachtung dieses Sachverhalts ist mit der EAV-Methode auch die fortschreitende Entgiftung des Körpers überprüfbar. Für interessierte LeserInnen ist eine nähere Information über die EAV-Testung im Anhang beigefügt. Fragen Sie Ihre Ärzte oder Zahnärzte, ob sie ein EAV-Testgerät haben. Dies läßt sich schnell telefonisch durch Anrufen verschiedener Praxen herausfinden. Die Kosten für den Test müssen Sie bisher allerdings selbst tragen, da leider die Krankenkassen wegen Nichtanerkennung dieser Methode nichts hinzuzahlen.
  2. Der DMPS (Dimaval oder Unithiol) - Mobilisationstest
    DMPS heißt Dimercaptopropansulfonsäure und ist eine toxische Substanz, welche Thiolgruppen enthält, an die sich Quecksilber und andere Metalle leicht anbinden. Es wird sowohl zur Testung als auch zur Therapie von Amalgamvergiftungen verwendet. DMPS wird entweder intravenös als Spritze gegeben, was zur stärksten Ausleitung führt, oder als Kapsel eingenommen.
    Letzteres führt aber zu einem ungenaueren Ergebnis, weil der Kapselinhalt nicht voll vom Körper aufgenommen wird. Seine Wirkung beruht darauf, daß es Quecksilber und andere (Schwer)metalle aus den Verbindungen in Metalldepots im Körper herauslösen kann, dann an die Thiolverbindungen des Medikaments anbindet und anschließend über den Stuhl und Urin ausleitet, wobei im Regelfall ca. 80% der Ausleitung über den Urin laufen soll. Untersucht wird eine Urinprobe vor der Einnahme des DMPS und eine Urinprobe nachher. Allgemein üblich wird diese ca. 45 Minuten nach der Injektion oder ca. 2 Stunden nach der Kapseleinnahme aufgefangen. Die beiden Proben werden dann zur Analyse an ein Labor verschickt. Da DMPS viele Metalle aus dem Körper herauslösen kann, und zwar in folgender Reihenfolge: zuerst Zink, dann Kupfer, Arsen, Quecksilber, Blei, Eisen, Cadmium, Nickel und Chrom (inwieweit auch andere lebenswichtige Metalle wie Magnesium oder Kalium mobilisiert werden, ist noch unklar), kann sich das DMPS-Medikament in seiner Wirkung verbraucht haben, noch bevor es an den Abbau von Quecksilber kommt. Daher sind, besonders bei langjährigen, schweren Vergiftungen, u.U. 5 oder mehr solcher Testinjektionen notwendig, bis dann Quecksilber abgebaut wird und im Urin nachweisbar ist. Da vorher das DMPS mit dem Abbau von Zink- und Kupferdepots im Körper beschäftigt ist, können hohe Kupferwerte ein indirekter Nachweis einer Amalgamvergiftung sein, denn Amalgam enthält ja Kupfer.
    Je akuter eine Vergiftung ist, desto zuverlässiger funktioniert dieser Test; er hat jedoch seine Schwächen. Wie schon erwähnt, ist Quecksilber leicht flüchtig. Außerdem kann es gerade in schweren Vergiftungsfällen zu Stoffwechsel-anomalien kommen, so daß die Ausscheidung hauptsächlich über den Stuhl erfolgt, was mit Urinproben ja nicht nachweisbar ist. Weiterhin wird vorausgesetzt, daß die Entgiftungsorgane noch einigermaßen gut funktionieren, so daß die mobilisierten Gifte auch wirklich den Körper verlassen können. Zweifel an den Meßergebnissen entstehen auch, weil Menschen unterschiedlich schnell oder träge auf die Mobilisierung reagieren und daher u.U. nach einem so kurzen Zeitraum wie 45 Minuten, respektive 2 Stunden noch nichts mobilisiert wurde. Daher sollte auf alle Fälle bei der Durchführung dieses Nachweises der Urin 24 Stunden lang nach Einnahme des DMPS gesammelt und zur Analyse verschickt werden. Dies empfiehlt sowohl das deutsche als auch z.B. das schwedische Bundesgesundheitsamt. Die Zuverlässigkeit des DMPS-Tests zum Nachweis chronischer Vergiftungen, und das sind die meisten Amalgamvergiftungen ja, wird in Fachkreisen umstritten. Auch diesen Test müssen Sie selbst bezahlen, die Krankenkassen erkennen ihn ebenfalls meistens nicht an.
  3. Der Kaugummi - Speicheltest
    Vorausgesetzt Sie haben Ihre Amalgamplomben noch in den Zähnen, dann können Sie diesen Test durchführen. Er dient nicht direkt als Nachweis einer Vergiftung, sondern ist mehr ein Nachweis für die Minderwertigkeit Ihrer Amalgamplomben, das heißt wieviel Amalgam sie aus Ihren Plomben herauskauen. Vor dem Test wird etwas Speichel gesammelt. Dann kaut man intensiv ca. 10 Minuten lang einen zuckerfreien Kaugummi. Danach wird wieder der Speichel gesammelt (den man nicht herunterschlucken darf) und die Speichelproben werden an ein Labor zur Untersuchung des Quecksilbergehalts geschickt.
  4. Blutuntersuchungen
    Normale Blutuntersuchungen auf Amalgamgifte haben nur in ganz akuten Vergiftungsfällen einen Aussagewert, bei chronischen Vergiftungen sind sie nicht anwendbar. Es gibt aber einige detailliertere Untersuchungen des Blutes, welche einen indirekten Hinweis auf mögliche Vergiftungen geben können:

Im Blut kann das Vorkommen des Enzyms Glutathion-Peroxid gemessen werden. Zu niedrige Werte geben Hinweise auf Selenmangel, sowie Glycin- und Cysteinmangel, was durch eine Vergiftung verursacht worden sein kann.

    • Da das Hämoglobin der roten Blutkörperchen ein Protein der Thiol-Gruppe ist, mit welchem sich Quecksilber sehr leicht verbindet, läßt sich eine Vergiftung in einigen Fällen durch eine Untersuchung der roten Blutkörperchen nachweisen. Schwedische Forscher entwickelten ein neues Meßverfahren, bei dem innerhalb von wenigen Minuten nach der Entnahme einer Blutprobe rote Blutkörperchen spezialpräpariert und sofort auf -80°C tiefgefroren werden, um eine Verfälschung der Meßergebnisse durch das leichte Verdampfen von Quecksilber zu vermeiden. Bei einer späteren Analyse wurden die roten Blutkörperchen im Teilchenbeschleuniger einer Kernreaktoranlage mit Protonen beschossen. Sie konnten mit dieser sehr aufwendigen Analysemethode durchweg erheblich höhere Quecksilberwerte nachweisen als andere Forscher, welche die gleichen Blutproben mit traditionellen Methoden analysiert hatten. Wegen der Aufwendigkeit des Verfahrens wird diese Methode jedoch im Allgemeinen nicht angewandt. Sie verdeutlicht nur einmal mehr, wie relativ die Meßergebnisse von Blut-, Urin- oder Stuhlproben zu sehen sind, gerade was den Nachweis von Quecksilber angeht.
    • Bei einer Blutuntersuchung läßt sich die Anzahl der weißen Blutkörperchen zählen, bei gesunden Menschen kommt normalerweise auf 1000 rote ein weißes Blutkörperchen. Bei Vergiftungen wurde häufig eine erhöhte Anzahl der weißen Blutkörperchen gefunden.
    • Eine genauere Zählung der B- bzw. T-Lymphozyten kann ebenfalls Hinweise auf eine vorliegende Vergiftung liefern: die T-Lymphozyten sollten bei Gesunden etwa 70% aller Lymphozyten ausmachen. Bei chronischen Vergiftungen wurden abweichende Werte gemessen, wobei der Anteil der T-Lymphozyten nur ca. 50% betrug. Das Verhältnis zwischen den Helfern und den Unterdrückerzellen liegt in der Regel bei 2:1, bei Vergiftungen sind die "Unterdrücker unterdrückt" worden, es gibt zu wenige.

Neuerdings werden zum Nachweis vorliegender Schwermetallvergiftungen spezielle Lymphozytentests, wie der MELISA-Test durchgeführt, wobei das Reaktionsverhalten der Lymphozyten auf Schwermetalle, mit denen sie in Berührung kommen, analysiert wird. Die Testanalysen sind sehr aufwendig, und bisher ist über ihre Zuverlässigkeit noch wenig bekannt.

  1. Untersuchung des Spinalwassers
    Das Gehirn des Menschen ist von Spinalwasser umgeben. Der Zugang von Substanzen in das Spinalwasser wird von der Blut-Gehirn-Schranke geregelt. Bei Amalgamvergifteten läßt sich Quecksilber im Spinalwasser nachweisen, was auch auf eine Schädigung der Blut-Gehirn-Schranke hinweist.
  2. Untersuchung von Gewebe mit einer Computer-Tomographie
    In einem Kernspintomogramm unterscheiden sich Körpergewebe durch ihre Protonendichte: Eingelagerte Schwermetalle zeigen in einem T 2 - gewichteten Tomogramm eine besonders hohe Protonendichte. Bei Amalgamträgern ist dies besonders in der Großhirnrinde, Hypophyse, im Zahn- und Kieferknochenbereich der Fall. Bei Menschen mit Amalgamvergiftungen wurden in der Hypophyse z.T. 100-fache Quecksilberwerte, bei Zahnärzten bis über 150-fache Werte im Vergleich zu Gesunden ermittelt.
  3. Nachweis von Amalgamdepots in den Kieferknochen mit Röntgenfotos
    Amalgamdepots sind nicht nur mit einem Kernspin-Tomogramm sondern auch mit speziellen, 'weichen' Röntgenaufnahmen nachweisbar. Es gibt allerdings nur wenige Ärzte, die die Depots aus den Röntgenfotos herauslesen können.
  4. Haaranalysen
    Dazu muß man über einen längeren Zeitraum ab und zu Haarsträhnen aus dem Nackenbereich entnehmen und mit Angabe des Datums aufheben. Später läßt sich in verschiedenen Teilen der Haarsträhnen messen, wie groß die Schwermetallaussonderung zu den jeweiligen Zeitpunkten gewesen war. Die Zuverlässigkeit dieser Methode wird allerdings auch bezweifelt. Die gebräuchlichsten Diagnosemethoden zum Nachweis einer Amalgamvergiftung sind bisher der Elektroakupunkturtest und der DMPS-Mobilisationstest, wobei die Meßergebnisse nicht immer übereinstimmen. Es ist empfehlenswert, mehrere verschiedene Diagnosemethoden durchführen zu lassen, die sich in ihren Aussagen gegenseitig ergänzen können und dadurch die Verläßlichkeit auf die Diagnose erhöhen. Bei chronischen Vergiftungen kann man nie genau wissen, wieviel Gift im Körper ist, und dies allein ist auch kein Maß für das Ausmaß der Vergiftungsschäden im Körper. Für eine solche Abschätzung muß auch die Langfristigkeit der Vergiftung mitberücksichtigt werden. Seien Sie also vorsichtig, wenn Sie solche Tests durchführen lassen und vertrauen Sie nicht blind, falls bei Ihnen mit dem einen oder anderen Verfahren keine Vergiftung nachgewiesen werden kann: es ist dennoch möglich, daß Sie eine haben.

 

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